Die weitgehend verdrängte Rolle des Verlegers und Widerstandskämpfers Karl Anders für die Geschichte der Frankfurter Rundschau wird in diesem Beitrag anhand zahlreicher Archivquellen, Gerichtsakten und zeitgenössischer Dokumente belegt. Anders hat die wirtschaftlich bedrohte Zeitung Mitte der 1950er-Jahre durch Kredite, verlegerisches Know-how und publizistische Netzwerke entscheidend stabilisiert. Dennoch wurde sein Beitrag nach dem Zerwürfnis mit Karl Gerold systematisch aus der institutionellen Erinnerung der Zeitung ausgeblendet. Der Aufsatz analysiert diese Form journalistischer „Öffentlichkeitslücke“ als Beispiel für Mechanismen des Verdrängens, Verschweigens und der Mythenbildung im Medienjournalismus. Dabei diskutiert er die berufsethische Frage, inwiefern das Weglassen relevanter Informationen als Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten zu bewerten ist.
Ausgerechnet der Verleger Karl Anders, ohne den die Frankfurter Rundschau keine zehn Jahre alt geworden wäre, ist bei dieser Zeitung »terra incognita«. Er wurde dort seit 1957 aus der hauseigenen Geschichtsschreibung und dem Kollektivgedächtnis getilgt – als wäre er der „damnatio memoriae“ anheim gefallen. Diese Leerstelle kam und kommt dem Verleger Karl Gerold zugute.
Wie geht Vergessen oder Verdrängen bei einer Zeitung? Bei einer linken, aufgeklärten und kritischen dazu? Wie können ganze Generationen von FR-Journalistinnen und -Journalisten der eigenen Zeitungsgeschichte gegenüber ignorant sein? Dieser Beitrag geht dem nach.
Alf Mayer und Horst Pöttker, Journalistik 02/2026 (online)

