Manchmal wünsche ich mir als Journalistin Belege für etwas, das ich längst zu wissen glaube. Zum Beispiel, dass der Manager einer Künstlerin sich wie ein Arschloch verhält. Ich weiß, dass er viel Unsinn redet und Menschen schlecht behandelt – aber nichts davon ist konkret, justiziabel, zitierfähig. Es reicht nicht für eine Geschichte. Und da sind wir schon bei meinem Punkt: Es tut weh, aber Journalismus lebt nicht von persönlichen Gewissheiten, sondern von Beweisen.
Diese Spannung begleitet unseren Beruf. Hatte eine Tat ein queerfeindliches Motiv? Vielleicht. Ist jemand mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ungeeignet für seinen Job? Möglich. Doch veröffentlichen darf man nur, was sich belegen lässt. Wer – wie ich – potenziell jeden Tag Zehntausende Menschen erreicht, beeinflusst Diskurse. Das verpflichtet zur Sorgfalt.
Ann-Kathrin Leclere, taz.de, 20.02.2026 (online)

