Einstweilen aber zeigen die Epstein-Recherchen, wie schwarmmäßige und redaktionelle Recherchen sich sehr wohl ergänzen können. Medien wie die SZ haben die Mittel, systematisch und tief einzudringen in Unterlagen wie die zum Geldwäschesystem Epsteins und seiner Freunde, nachzulesen kürzlich im Wirtschaftsteil. Oder, ebenfalls aktuell, die zum Jungverleger Jacob Burda. Redaktionen können die Ergebnisse solcher Recherchen ausgewogen und somit rechtssicher publizieren, sie können, ganz wichtig, die Veröffentlichungen notfalls vor Gericht verteidigen.
Es sind aber Menschen auf Discord-Servern, auf Tiktok, auf Reddit, die bisweilen erste Hinweise entdecken und sich anschließend um die Verbreitung der Artikel im Netz kümmern. In ihrem unbedingten Wunsch nach Aufklärung und Transparenz, mit der Ahnung, dass da immer noch eine weitere, größere Geschichte hinter der Geschichte lauern könnte, formuliert sich etwas, das Redaktionen keineswegs belächeln oder abtun sollten, wenn sie sich nicht als vermeintlicher Teil einer Elite verdächtig machen wollen.
Philipp Bovermann, sueddeutsche.de, 29.03.2026 (online)

