Am Ende eines „Übermedien“-Artikels von Annika Schneider findet sich ein indirekter Hinweis darauf, wohin der unbedachte Einsatz von KI im Journalismus zu führen droht. Der Hinweis lautet: „Die englischen Zitate hat die Autorin selbst übersetzt.“
Einen solchen Hinweis hätte es noch vor einiger Zeit vermutlich unter keinem vergleichbaren Artikel gegeben. Warum hätte man darauf hinweisen sollen, dass man seine Arbeit selbst erledigt hat?
Mittlerweile kann man in Fragen zum KI-Einsatz allerdings nicht von branchenweit geteilten Standards ausgehen. Jedes Medienhaus hat seine eigenen Richtlinien. Manche Journalisten übersetzen eigenen Aussagen zufolge mittlerweile so gut wie alle englischen Zitate mit einem KI-Translator. Manche korrigieren danach noch sprachliche Schwächen. Andere tun auch das meiner Leseerfahrung nach nicht und nennen das dann Effizienz.
Das ist der Grund, warum es Sinn ergibt, als Journalistin auch dann auf die eigene KI-Handhabung hinzuweisen, wenn man geläufige Tools gar nicht eingesetzt hat. Wenn es keine gemeinsamen Standards gibt, ist auch der Goldstandard „Handgemacht“ nur einer von vielen – und damit so wenig selbstverständlich, dass er benannt werden kann.
Klaus Raab, MDR Altpapier, 13.07.2026 (online)

