Zitiert: Die Krise in Österreichs Rundfunk ist nicht vorbei

Nach der Affäre um Ex-ORF-Chef Weißmann drängt Medienminister Andreas Babler auf Reformen. Es geht um die Aufsichtsgremien, hohe Pensionszusagen und die Frage, wie man Machtmissbrauch verhindert. […]

Inmitten dieser Gemengelage soll eine Frau nun reinen Tisch machen: Ingrid Thurnher, bis Jahresende als Generaldirektorin bestellt, will Transparenz herstellen, ohne öffentliche Tribunale zu veranstalten. Informiert werde erst, wenn belastbare Ergebnisse vorliegen. Parallel dazu hat sie einen Transparenzbeirat eingerichtet. Dessen Vorsitzende, die Rechtsanwältin Bettina Knötzl, die auch Präsidentin des österreichischen Ablegers der Nichtregierungsorganisaiton Transparency International ist, kündigt an, auch ältere Fälle zu prüfen und daraus systemische Empfehlungen abzuleiten. Eine zusätzliche externe Meldestelle ist bereits eingerichtet. Thurnher weiß, dass Aufklärung nicht allen gefallen wird: Da müsse man jetzt einfach mal durch.

Während Aufsichtsgremien und Führungsetagen streiten, hat die Redaktion ein eigenes Signal gesetzt. Hunderte Journalisten protestieren unter dem Hashtag #nichtmituns auf Social Media und einer eigens eingerichteten Webseite. Es ist eine privat organisierte Aktion, nicht eine des Senders. Die Kernbotschaft: „Wir wollen unsere Arbeit machen und nicht mit Skandalen und Missständen in Verbindung gebracht werden, für die wir nichts können.“ Für ein Haus, das sich als zentrale Informationsinstanz versteht, ist das mehr als Symbolik. Es ist der Versuch, die Trennlinie zwischen redaktioneller Arbeit und Managementfehlern sichtbar zu machen – eine Trennlinie, die in öffentlichen Debatten oft verwischt.

Michaela Seiser, faz.net, 05.05.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)