Wer beklagt, etwas sei geframed, der beklagt wenigstens implizit, dass es sich um eine Form von Manipulation handelt. Wer framed, so hat sich das mindestens unterbewusst im Denken festgesetzt, der verfolgt eine Agenda. Selbst Fakten verlieren so den Anspruch auf Wahrheit. Dass es Treffen mit Martin Sellner gab, öffentlich und im Social Web dokumentiert, obwohl er, ebenfalls ganz offiziell, auf einer Unvereinbarkeitsliste steht, wird so plötzlich zu etwas, das erst durch geschickte sprachliche Deutung zum Problem gemacht wird. Dabei ist es schlicht eine Tatsache.
Wie schwer es ist, überhaupt nicht zu framen, zeigt indes das Wort Zitrone. Liest oder hört man es, feuert das Gehirn sofort Assoziationen ab: gelb, ziemlich sicher. Vermutlich auch sauer. Bei einigen Menschen, das haben Studien ergeben, wird sogar der Speichelfluss angeregt. So mächtig ist Sprache.
Jakob Biazza, sueddeutsche.de, 06.07.2026 (online)

