Die Art, wie wir uns durch den Alltag bewegen, wie wir Zeit, Raum und Routinen organisieren – all das ist tief in patriarchalen Logiken verankert. Gleiches gilt für die Technologien, die diesen Alltag strukturieren. Besonders deutlich wird das an Phänomenen wie Ride-Sharing, Lieferdiensten oder digitalen Plattformen für Alltagsaufgaben. Die Gig Economy erscheint hier als eine Art externalisierte Fürsorgeökonomie. Zugespitzt formuliert: Hier werden all die Tätigkeiten übernommen, die früher die Mutter erledigt hat. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob uns diese Dienste Zeit sparen. Sondern warum wir unsere technologische Umwelt gerade so organisiert haben, dass sie auf diese Form hinausläuft. Entscheidend ist dabei: Es geht nicht um einzelne Inhalte oder Skandale, sondern um die zugrunde liegenden Strukturen. Während sich Misogynie auf Plattformen vergleichsweise leicht benennen lässt, bleibt der patriarchale Takt des Alltags meist unsichtbar. Doch genau hier bündeln sich Macht, Kapital und Arbeit.
Sarah Sharma, sueddeutsche.de, 06.05.2026 (online)

