Zitiert: Es ist sicher nicht das Kerngeschäft des Journalismus, Visionen zu haben

Das ist das Paradoxon der deutschen Zustände: Damit die Menschen zuversichtlicher werden, müssten sie mit dem, was sie haben, weniger zufrieden sein. Und damit die Unzufriedenen nicht ihr Heil in der gefälschten und völlig irrealen Vergangenheit der Rechtsextremen suchen, braucht es Hinweise, Bilder, Geschichten, die die Möglichkeit einer besseren Zukunft schon erahnen lassen. Es ist sicher nicht das Kerngeschäft des Journalismus, Visionen zu haben. Aber mehr Neugier, ein freierer Blick, eine größere geistige Unabhängigkeit von den Vorgaben, Sprachregelungen und Prioritätenlisten des politischen Betriebes wären hilfreich. Und gute Laune kann auch nicht schaden.

Denn das ist dann doch das Kerngeschäft des Journalismus: das Neue zu sehen, zu erkennen und zu beschreiben. Womöglich mit Wohlwollen, weil es in den versteinerten deutschen Verhältnissen das Neue dringend braucht.

Claudius Seidl, sueddeutsche.de, 31.07.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)