Zitiert: Fehlervermeidung im Film

Wir leben in einer Zeit der Fehlervermeidung. Ein Zugzwang, der auch das Kino erfasst. Das Qualitätskino, dem junge Filmemacher vor sechzig Jahren einmal opponieren wollten, ist zurückgekehrt als Exzellenz-Kino: erlesen, aufwändig, verantwortungsbewusst und absolut kompromissbereit. Staatliche Fördergremien exorzieren alles Zufällige, Unbeherrschte aus ihren Produktionen. Bevor die erste Klappe fällt, wird der Stoff über Jahre zerredet, bis alle Eminenzen am Tisch zufrieden sind: Filme wie Gruppenarbeiten aus dem Leistungskurs, in denen es um historische Katastrophen, Kriege, psychische Erkrankungen oder emsige Helden der Zivilgesellschaft geht.

Auch die kommerziellen Studios sind von Kopf bis Fuß auf Feedback eingestellt. Noch vor Drehstart eruiert man Stimmungsbilder und Änderungswünsche der Konsumenten. Und schreckt selbst vor Zugeständnissen an die chinesische Kulturpolitik nicht zurück, um seine Chancen auf dem dortigen Markt nicht zu verspielen. Das gegenwärtige Kino der richtigen, schlimmer noch, der besten Absichten ist so real wie falsch.

Daniel Moersener, faz.net, 03.07.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)