Für die Glaubwürdigkeit von Nachrichtenmedien ist es elementar wichtig, dass sie nicht den Eindruck erwecken, parteiisch zu sein. Rechtsextreme dagegen versuchen, kritische Medien als Parteien darzustellen, um sie als Korrektiv auszuschalten.
Wenn demokratische Parteien beginnen, die Methoden ihrer Gegner zu übernehmen, gefährden sie nicht nur die Glaubwürdigkeit der Medien, sondern auch die Grundlagen des demokratischen Diskurses.
Was könnten Medien machen? Statt Lügen unkommentiert zu wiederholen, können Redaktionen das „Sandwich“-Prinzip nutzen, Faktenchecks direkt in die Berichterstattung integrieren und falsche Behauptungen nicht in Schlagzeilen heben.
Wichtiger als das Widerlegen einzelner Lügen ist das Entlarven übergeordneter Narrative und die Analyse der dahinterliegenden Manipulationsmechanismen. Außerdem wichtig: gezielte Ablenkungsmanöver erkennen, investigative Recherchen zu priorisieren und Betroffene zu Wort kommen zu lassen.
Wichtig dabei ist die Sprache: Es ist schwer zu belegen, dass eine Unwahrheit eine Lüge ist, denn wenn die Person, die die Unwahrheit ausspricht, von ihrer Richtigkeit überzeugt ist, ist es keine.
Aber wenn eine Lüge offen sichtlich ist, dann sollten Medien sie auch so nennen. Der Journalismus muss nicht neutral sein, sondern wahrhaftig, und wenn eine Seite systematisch täuscht, ist nicht Ausgewogenheit gefragt, sondern Klarheit.
Ralf Heimann, MDR Altpapier, 07.03.2025 (online)