Zitiert: „Hart arbeitende Mitte“ und „normale Menschen“

Was Altenbockums Artikel über den konkreten Kommentar hinaus so problematisch macht, ist ein inzwischen gängiger Taschenspielertrick dieser Tage. Er setzt die „hart arbeitende Mitte“ der Gesellschaft gleich mit dem Begriff von den „normalen“ Menschen, als handele es sich um Synonyme. Dabei ist die Art, wie Altenbockum „Normalität“ definiert, äußerst exklusiv im Sinne von: ausschließend. Wer geschieden ist, gehört schon nicht mehr dazu, wer kinderlos oder alleinerziehend ist, auch nicht, wer homosexuell ist, erst recht nicht. Die Liste der nicht Normalen lässt sich aus dem, was Altenbockum schreibt, ergänzen um Vegetarier und Behinderte. Ausländer gehören mutmaßlich eh auf die Liste, ohne dass das eigens erwähnt wird.

Dass die Politik die Sorgen derjenigen zu wenig im Blick hat, die durch ihre Arbeit und ihre Steuern alles am Laufen halten, ist eine nachvollziehbare Kritik. Der Trick: Altenbockum kombiniert die Klage mit einem zutiefst reaktionären Blick auf die Gesellschaft und mit der Beschwerde, als normaler Mensch nicht mehr genug gewürdigt zu werden, gerade für seine Normalität. Warum sollte die Sorge um die „hart arbeitende Mitte“ der Gesellschaft nicht auch schwule Männer umfassen, sich abrackernde Migranten, geschiedene Familienmütter und -väter, die ihren Berufen nachgehen und – und sei es im Patchworkverfahren – sich um ihre Lieben kümmern? Was hat die systemtragende Funktion braver Steuerzahler damit zu tun, welche Sexualität und welche Herkunft jemand hat und ob er Fleisch isst? Wieso können die nicht auch Bürger sein, die „alles richtig gemacht haben“?

Altenbockums Vorstellungen von „Normalität“ sind in einem Weltbild verankert, das bestenfalls aus den Fünfzigerjahren stammt und schlechterenfalls ein paar Jahre älter ist.

Stefan Niggemeier, sueddeutsche.de, 14.07.2026 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)