In analogen Zeiten fand alles in Präsenz statt. Es gab keine Newsrooms, sondern feste Arbeitsplätze, kein Homeoffice und keine mobilen Workspaces, bei denen man kommt und geht. Wenn das Arbeiten an festen Orten und in Präsenz wegfällt, ändert sich viel. Bekannte, die im Journalismus arbeiten, erzählen immer wieder, dass in den Redaktionen kaum noch jemand präsent ist. Alle arbeiten im Homeoffice. Es gibt keine gemeinsamen Mittagspausen oder andere informelle Gelegenheiten mehr, bei denen man sich über Ideen austauscht. Viele Leute in meinem Buch berichten, dass in den Redaktionen, in denen sie gearbeitet haben, keine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit existierte. Das wird heute oft und mit gutem Grund problematisiert. Aber es ermöglichte auch, dass man sich nach Feierabend austauschen und gemeinsam über neue Themen nachdenken konnte – außerhalb der institutionalisierten Orte und Formate wie Redaktionskonferenzen. Es hat Folgen für kreative Prozesse, wenn so etwas verschwindet.
Erika Thomalla, faz.net, 15.07.2026 (online)

