Zitiert: Ich verstehe Gegenwart nicht ohne Geschichte

Dresden ist für mich auch eine historische Schnittstelle. Entscheidend ist, welche Zusammenhänge wir herstellen. In welchen Zeitrahmen diskutieren wir? Wo steigen wir ein? Vor oder nach dem Ersten Weltkrieg? 1933? Mit dem Bombardement am 13. Februar 1945? Mit dem Wiederaufbau, mit dem die Stadt ihr Gesicht verändert hat – Sozialismus und Prager Straße? Mit dem Stillstand in den Achtzigern? Wichtig sind die Kontexte, auch für meine Vorstellung von Theaterarbeit. Dass sich die politischen Pole seit dem Mauerfall immer weiter nach rechts verschoben haben, ist dabei nicht zu übersehen, und wir müssen uns immer wieder fragen, warum? […]

Die Entwicklungen zeichnen sich ja seit Jahren ab. In Ungarn, in Polen, in Westeuropa, in der Bundesrepublik. Wovor sollte ich erschrecken? Ich halte nichts von der ständigen Empörung über eine bestimmte Partei und ihre Wählerschaft. Diese Partei vertritt offen rechtsextremistische Ziele. Das sollte allen unmissverständlich klar sein. An die kommen wir aber mit Empörung nicht heran. Das ist Fakt. Wir brauchen die Argumentation und den Austausch, sonst verlieren wir uns aus den Augen. Abgrenzung reicht nicht und funktioniert im Alltag auch schlecht. Im Theater gilt das genauso. Als Intendant muss ich lesbar sein, auch politisch, nach innen und nach außen. Das finde ich wichtig. Aber ich kann nicht für mehrere Hundert Mitarbeiter sprechen. Die oft beschworene Einstimmigkeit gibt es nicht, wir leben in einer Demokratie. Auch unser Publikum lässt sich nicht in ideologische Gruppen aufteilen. Wie sollte das aussehen? Erkennbar sein, das finde ich super, mit allem, was wir künstlerisch auf den Weg bringen. Dazu laden wir alle ein, egal welcher Herkunft, welchen Alters, welchen Geschlechts und welcher Denkart. Ziel ist der Austausch über unsere Kunst und über unser Zusammenleben.

Hasko Weber, berliner-zeitung.de, 19.04.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)