Zitiert: Interview versus Gastbeitrag

Repräsentanten – von was und von wem auch immer – sind im Genre Interview deutlich besser aufgehoben als im Genre Gastbeitrag. Dort werden sie gefordert: indem sie auf Nachfragen reagieren müssen, indem sie selber formulieren, statt formulieren zu lassen, indem sie die Chance zur Schlagfertigkeit bekommen. Wer gefordert wird, ist immer interessanter als jemand, der sich ausbreiten darf.

Gastbeiträge von Amtsinhabern mögen mitunter zitiert werden; gelesen werden sie kaum. Die SZ lehnt diese Angebote praktisch alle ab. Ein gut geführtes Interview mit Mario Voigt oder Karsten Wildberger kann beide Seiten schmücken, die Politiker und die Redaktion. Und Letztere sollte sich immer vor Augen führen, dass sie dies ist: eine Redaktion – aber keine Druckerei.

Detlef Esslinger, sueddeutsche.de, 19.06.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)