Seit vielen Jahren erkläre ich Kindern jetzt Dinge, die oft kompliziert, manchmal traurig und teilweise sogar fürchterlich sind – häufig auch für mich selbst. Und je länger ich das tue, desto mehr merke ich, dass ich dabei mindestens so viel lerne wie die Kinder. Auch über uns Erwachsene. Und darüber, dass wir es uns oft schwerer machen als nötig: weil wir denken, immer alles sofort wissen und verstehen zu müssen. Was für ein Quatsch. Die allermeisten Themen sind doch viel zu komplex, um sie gleich wirklich durchdrungen zu haben. […]
Mein Eindruck ist auch, dass man nicht mehr einfach sagen kann: Das ist ein Thema für Erwachsene. Der Flüchtlingszustrom 2015, Corona, der Krieg in der Ukraine und alles, was danach kam: Ich habe das Gefühl, das Politische greift viel stärker in Freundeskreise und Familien ein, kann auch Beziehungen massiv erschüttern. Und Kinder hören Erwachsene reden. Sie sehen Schlagzeilen. Sie sind auf Social Media. Sie diskutieren auf dem Schulhof – manchmal über Dinge, die wir ihnen gar nicht erklärt haben, weil wir dachten, sie seien noch zu jung dafür.
Tobias Krell, sueddeutsche.de, 28.04.2026 (online)

