Zitiert: KI im Nachtprogramm der ARD-Popradios

In den Popwellen der ARD kommen Verkehr und Wetter nachts neuerdings von KI-Stimmen. Die klingen steif, machen Aussprachefehler und beweisen: Selbst banalste Aufgaben lassen sich nicht mal eben automatisieren. […]

Jetzt vermelden KI-Kollegen zur vollen Stunde nach den Nachrichten den Verkehr, zur halben Stunde noch einmal Wetter und Verkehr. Diese Durchsagen klingen allerdings mehr nach Notlösung als nach Innovation. […] Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen beeindruckend und nervig. […]

KI-Stimmen sind über das Niveau von Navi-Ansagen und Telefon-Sprachcomputern inzwischen weit hinaus, aber von menschengemachtem Radio noch Lichtjahre entfernt. Vor allem der Verkehrssprecher leiert seine Infos mit der immergleichen Sprachmelodie herunter. Dabei ist er irritierend gut gelaunt, auch bei ungesicherten Unfallstellen, defekten Fahrzeugen oder „Verzögerungen um bis zu 20 Minuten“. Die Betonung liegt oft einen Mü neben dem, was richtig wäre. […]

Für Radioästheten ist das ein Graus. Alles Verspielte, Freundliche, Persönliche geht verloren. Gerade solche Routinerubriken nutzen Moderatoren ja gerne für Geplänkel, Wortspiele, Nonsens. Stattdessen nüchterne akustische Informationsvermittlung. […]

Rund 373.000 Hörer hat das Gemeinschaftsprogramm zwischen 22 und 23 Uhr laut ARD im Schnitt, später in der Nacht vermutlich noch sehr viel weniger. Bisher gebe es noch keine konkreten Pläne, die Software auch in anderen Programmstrecken einzusetzen, sagt Kraus, ausschließen will er das aber nicht. […]

Die automatisierten KI-Meldungen liefern den Hörern tatsächlich einen Mehrwert, mit Abzügen in der B-Note. Dass die ARD die Technologie in Zukunft auch anderswo und in größerem Stil nutzen könnte, klingt aber eher nach Drohung als nach Verheißung – zumindest für eingefleischte Radioliebhaber.

Annika Schneider, Übermedien, 25.03.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)