Auf lange Sicht schadet sich Google mit diesen Entwicklungen möglicherweise auch selbst. Jahrelang haben Medien, Unternehmen, Krankenkassen, politische Institutionen und Privatmenschen Inhalte ohne Ende ins Internet gepustet. Inhalte zu produzieren, das war nie Googles Stärke, sondern das Kuratieren dieser Unmengen. Der KI-Modus der Suche verspricht zwar, das zu tun, doch das funktioniert nur, solange die Informationslieferanten mitziehen. Auf die ist Google angewiesen. Wenn Medienunternehmen aber keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr daraus ziehen, bei Google gelistet zu sein – weil niemand auf die Zeitungswebseite klickt –, könnten sie dem Suchgiganten den Rücken kehren und den Zugriff auf die Inhalte verwehren.
Ohne qualitativ hochwertige Inhalte funktioniert aber die KI-Suche nicht, weil die Suchergebnisse minderwertig oder sogar falsch sind, sodass Nutzer sich auch von der Funktion abwenden könnten. Im Juni urteilte das Landgericht München, dass Google für Falschinformationen in seiner KI-Übersicht haften muss. Google müsste also einen Weg finden, Reddit, Reuters und Co. bei der Stange zu halten. Denn eine KI-Suche ist nur so gut wie die Informationen, auf die sie zugreifen kann.
Marie Gundlach, sueddeutsche.de, 16.08.2026 (online)

