Allein die Berlinale aber belegt eindrücklich das öffentlich-rechtliche Engagement fürs deutsche Kino im europäischen Kontext. 2025 zum Beispiel waren ARD, ZDF und Arte allesamt bei der Bärenjagd, während das kleine Fernsehspiel In die Sonne schauen“ von Chicago bis Cannes 30 Preise gewann. Drei Jahre zuvor kam keiner der vier deutschen Wettbewerbsbeiträge ohne Gebührenfinanzierung aus. […]
Allein der kleine, aber ambitionierte Kulturkanal unterstützt jedes Jahr 60 Spiel oder Dokumentarfilme und damit ungefähr so viel wie das große, ebenso rührige ZDF. Dank ihrer föderalen Struktur liefert die ARD zwar keine Zahlen. Insgesamt aber steuern neun Anstalten wohl 40 Koproduktionen bei. Dank diverser Überkreuzungen dürfte der öffentlich-rechtliche Anteil somit fast ein Drittel der 300 Kinofilme Made in Germany erreichen. […]
Denn natürlich erntet die grassierende Koproduktionitis auch Kritik. An der vermeintlichen Entfremdung zweckgebundener Rundfunkgebühren zum Beispiel fürs marktwirtschaftliche Kino. Mehr aber noch am redaktionellen Einfluss auf die cineastische Kreativität.
Wer sich bundesdeutsche Feierabendfiktionen heutzutage so ansieht, erkennt darin jedenfalls oft Bildschirmsprachen, die man der ambitionierteren Leinwand gern ersparen würde. Andererseits wäre das hiesige Kino ohne Beteiligung von ARD und ZDF seit Jahren mausetot. Und dann? […] Ohne Arte, so kann man sagen, aber auch ARD und ZDF, wäre das deutsche Kino ein trostloser Ort. (Paid)
Imre Grimm, Hannoversche Allgemeine, 14.03.2026 (online)

