Zitiert: Kulturkritik als Social-Media-Infotainment der platten Art

Für den Kunsthistoriker Wolfgang Kemp, der sich auch als pointierter und stilsicherer Kulturkritiker (Irgendwie so total spannend) einen Namen gemacht hat, sind das „Gesten des Anbiederns“. Man spreche im Grunde „zu sich selbst“ und halte „die Sprache am Fließen“. Bloß kein Gedankenstrich, keine noch so kleine Pause, dabei habe Sprechen auch immer etwas mit „gedanklicher Trennschärfe“ zu tun. Mit Rück- und Nachfragen, Einordnung und der Fähigkeit, eigene Gedanken aus einem Dialog heraus zu entwickeln. Die „Emotionalisierung“, die inzwischen konstitutiv für viele Podcasts ist, setzen die Hosts in Zugzwang sofort in das Thema einzusteigen und dann nicht mehr nachzulassen. Das ist deren Sache. Die Verantwortung allerdings, dass solcher Meinungsmulm öffentlich-rechtliche Verbreitung findet, liegt bei den Redakteurinnen und Redakteuren. Geradezu ein Gegenentwurf zu dem öffentlich-rechtlichen Wortschwall ist der SZ-Podcast In aller Ruhe. Seit 2023 bittet Carolin Emcke alle zwei Wochen einen Wissenschaftler, einen Autor, eine Politikerin oder Aktivistin zum konzentrierten Gespräch. Der Titel ihres Podcasts ist Programm. In diesen aufgeregten Zeiten, so Emcke, brauche es „Räume“, in denen „auch unsicher, auch skeptisch, auch langsam nach guten Gründen und relevanten Erfahrungen gesucht“ werde.

Was dagegen in den Kulturredaktionen „Einzug gehalten“ habe, so Kathrin Röggla, Schriftstellerin und Professorin an der Kunsthochschule für Medien Köln, sei der „reine Populismus“. Entscheidend für die Redaktionen sei, sich dem „Publikum anzubiedern“.

Herbert Houven, literaturkritik.de (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)