Für die demokratischen Parteien ist Kulturpolitik, allen feierlichen Bekenntnissen zum Trotz, offenbar eine nachrangige, schlimmstenfalls lästige Aufgabe, die Geld kostet. Aus Hilflosigkeit, Desinteresse oder eben reiner Ahnungslosigkeit des politischen Personals werden im zweiten Gang dann als Kompetenzersatz teure Unternehmensberater engagiert – irgendwer muss ja Orientierung bieten, wenn sich das oben keiner traut oder auch nur zutraut.
Weil man in der Kulturmetropole München, in der einige der bedeutendsten Bühnen, Orchester und Museen der Welt teils begeistern, teils selig vor sich hin schlummern, nicht auf die Idee kommt, eine Stellenausschreibung öffentlich zu diskutieren und zu formulieren, darf sich eine Unternehmensberatung über einen lukrativen Auftrag freuen. In Berlin soll eine andere Beratung, angeblich für ein sechsstelliges Honorar, mögliche Sparpotenziale in den Theatern aufspüren. Die Berater befragen dann die Profis in den Theatern, die es schließlich am besten wissen, weshalb die Kultursenatorin, statt selbst mit ihnen zu reden, eine Unternehmensberatung engagiert, die das für sie tut. Wenn man sich die Aufgabe persönlicher Gespräche oder öffentlicher Diskussionen nicht zutraut in München oder Berlin: Wäre es vielleicht ehrlicher, wenn man gleich alles an die Sparfüchse von McKinsey überträgt?
Städte wie Amsterdam, Mailand oder London, alle von Geldnot geplagt, feiern ihre Institutionen, ihre Häuser, ihre Orchester. In Deutschland wissen Verantwortliche aus den demokratischen Parteien dieser Zeit derweil offenbar nicht mehr, wozu das alles gut sein soll
Peter Laudenbach, sueddeutsche.de, 17.07.2026 (online)

