Zitiert: „Lesenswerter Text“

In den sozialen Medien werden Lektüre-Empfehlungen oft mit dem Prädikat „lesenswert“ versehen. Die einfachste Form dessen: Sie reposten einen Artikel aus dem Internet und kommentieren darüber „Lesenswerter Text“. Vielleicht zitieren Sie noch einen Powersatz daraus, vielleicht steigern Sie die Empfehlung zu „Absolut lesenswert!“ oder sehen darin gar ein „Must Read“ und drohen anderen direkt mit der Pflicht zur Lektüre.

Ich habe mich schon immer gefragt, was damit gemeint sein soll. Was wäre denn ein nicht lesenswerter Text? Was ist unwertes Lesen? Wenn es nur darum geht, einen „guten“ Text zu loben, so bleibt mindestens die sprachkritische Irritation, warum einem dafür eine so hohle ideologische Formel auf den Lippen liegt. Sie bedeutet ja genau genommen: Der Text erzeugt Mehrwert, das Investment der Leseleistung lohnt sich.

Mit solchem Effizienzdenken ließe sich in den vielen Debatten über den Einsatz der Künstlichen Intelligenz in Wissenschaft und Journalismus fragen, ob sich Lesen überhaupt lohnt.

Alex Struwe, nd-aktuell.de, 02.07.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)