Warum ausgerechnet der ehemalige Google-Manager Matt Brittin die BBC in die Zukunft führen soll. […]
Er war stets die personifizierte Verheißung, gepaart mit britischem Understatement: hochgewachsen, sportlich, tadellos gekleidet, mit der Eloquenz eines Mannes, der gelernt hat, dass die beste Verteidigung gegen Monopolvorwürfe das unermüdliche Betonen von Partnerschaften ist. „Wir sind Partner der Medien, keine Raubtiere“, lautete sein Mantra, das er in Davos und auf vergleichbaren Anlässen wie etwa der Google-„Zeitgeist“-Konferenz in der Nähe von London gebetsmühlenartig wiederholte. Technologie sei nicht das Ende des Journalismus, pflegte Brittin zu argumentieren, sondern sein neuer Antrieb. Künstliche Intelligenz (KI) sei die historische Chance für Europa, man müsse sie nur mutig umarmen. […]
Matthew John Brittin, Jahrgang 1968, ist kein klassischer Silicon-Valley-Nerd, der in einer Garage im Santa Clara Valley Codezeilen aneinanderreihte. Sein Hintergrund ist in der britischen Elite verankert. […]
Dass die Wahl der BBC nun dennoch auf ihn fällt, ist das Eingeständnis, dass das Haus in seiner jetzigen Form gegen die Wand fährt. […]
In dieser existenziellen Zerreißprobe ist Brittin keine inhaltliche, sondern eine zutiefst strategische und kommerzielle Besetzung. […]
Die BBC holt sich also den Mann, der die Disruption in Europa orchestriert hat, um sich selbst vor ihr zu retten.
Carsten Knop, faz.net, 22.03.2026 (online)

