Die Frage ist allerdings, was für eine Kategorie „Versagen“ sein soll. „Medienversagen“ ist mittlerweile als Hashtag ein unspezifischer Social-Media-Selbstläufer, der im Zweifel auch unter jede Talk-Gästeliste gepackt wird, die jemandem nicht passt. Ich hätte es manchmal ja gern eine Nummer kleiner, weil die Nummer größer auf Kosten der Präzision geht. „Medienversagen“ ist derart allgemein, großkeulig und unscharf – welche Redaktion sollte sich mit einem solchen Vorwurf ernsthaft auseinandersetzen?
Die Kritik an der Ritualisiertheit des Wahlfernsehbetriebs ist im Kern schon plausibel, siehe oben. Aber wie könnte ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk an einem Wahlabend keine Vertreterinnen und Vertreter der Partei zu Wort kommen lassen, die mehr als 40 Prozent der Stimmen vereint? Und wie könnte er nicht versuchen, die Art einer möglichen Liaison zwischen AfD und BSW auszuloten?
Klaus Raab, MDR Altpapier, 08.09.2026 (online)

