Dass Menschen auch in der Zukunft noch immer erfahren möchten, mit wem sie es zu tun haben und ob jemand wirklich weiß und meint, was er oder sie sagt, ist zwar keineswegs sicher – aber doch wahrscheinlich. Zwar gab es schon immer Texte, die keinen benennbaren Autor benötigten, um gut und erfolgreich zu sein. Vor dem Zeitalter der Aufklärung war das sogar gang und gäbe.
Viele Sagen und Märchen verbreiteten sich, obwohl oder weil sie weder an einen festen Text noch einen bestimmten Autor gebunden waren. Auch im modernen Journalismus gibt es Beispiele: „Das Streiflicht“, die Glosse, die jeden Tag auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung erscheint, hat keine Namenszeile. Ihr Mythos lebt auch davon, dass sich die Autorinnen und Autoren bedeckt halten.
Tanjev Schultz, fr.de, 30.06.2026 (online)

