Und das ist kein Zufall. Ich bin dieses Jahr Teil des Journalismus-Festivals in Perugia, um einen Bericht vorzustellen. Es ist der siebte Teil einer Reihe mit dem Titel The Missing Perspectives of Women in News (Die fehlenden Perspektiven von Frauen in den Medien). Ich argumentiere auf Basis unserer Daten, dass Nachrichten von jenen geprägt werden, die sie machen: Alten, reichen, weißen Männern mit Ausbildung. […]
Eine von drei Frauen erlebt im Laufe ihres Lebens physische oder sexuelle Gewalt. Viele Taten werden nicht gemeldet. Dazu kommt digitale Gewalt: Sechs von zehn Frauen und eines von fünf Mädchen haben bereits Formen davon erlebt. In Berichten über misogyniebezogenen Themen kommen Männer um 50 Prozent häufiger zu Wort als Frauen. In 45 Prozent der qualitativ untersuchten Beiträge kam überhaupt keine weibliche Stimme vor. Weder Betroffene noch Überlebende, keine Expertinnen, keine Kommentatorinnen. […]
Am meisten schockiert hat mich jedoch unsere Analyse zur Epstein-Berichterstattung. Dafür haben wir fast eine Million Artikel untersucht, die seit 2017 den Namen Epstein erwähnen. Während 15 Prozent dieser Beiträge Begriffe wie Macht verwendeten, nannten nur 0,1 Prozent die Formulierung „Gewalt gegen Frauen“. Das zeigt, dass diese Geschichte vor allem durch die Linse von Macht, Eliten und Geld erzählt wird, also aus der Täterperspektive. Die Perspektive der mehr als tausend Mädchen und Frauen, die über Jahrzehnte missbraucht wurden, bleibt nahezu unsichtbar. Statt Ursachen zu erklären, beschreibt die Berichterstattung meist nur das Netzwerk mächtiger Männer immer wieder neu.
Luba Kassova, derstandard.at, 22.04.2026 (online)

