Ich gieße mal ein bisschen Wasser in den Wein. Wir und viele andere renommierte Kolleginnen und Kollegen haben seit „Kontrakt 18“ diese positiven Erfahrungen gemacht, und ich kenne auch zahlreiche Produzent:innen und Redakteur:innen, die es mittlerweile zu schätzen wissen, dass wir uns nachhaltig in die Produktion einbringen. Aber es gibt leider immer noch zahlreiche Missstände zulasten der Autor:innen. Noch immer werden Kreative, die mitunter Jahre in die Entwicklung ihrer Projekte gesteckt haben, eiskalt vor die Tür gesetzt, noch immer wird ohne Ab- und Rücksprache von Leuten, die keine Ahnung vom Schreiben haben, in Büchern rumgepfuscht, noch immer gibt es heftige Widerstände gegen Musterverträge auf „Kontrakt 18“-Basis, noch immer fehlt bei manchen Verantwortlichen staatlich geförderter Filmfestivals das Verständnis dafür, dass sich die schöpferische Kraft der Drehbücher auch in einer angemessenen Sichtbarkeit und Präsentation der Autor:innen widerspiegeln muss. Laut „Welt“ waren wir die „wahrscheinlich erfolgreichste Aktionsgruppe, die es seit Jahrzehnten im deutschen Film gegeben hat.“ Das ist sehr schmeichelhaft, aber eigentlich ist noch verdammt viel zu tun. Und in Krisenzeiten droht vieles von dem, was wir erreicht haben, rückabgewickelt zu werden. […]
Und das öffnet natürlich auch dem Machtmissbrauch Tür und Tor: Der Ombudsstelle des Deutschen Drehbuchverbands (DDV) werden immer wieder krasse Fälle von Fehlverhalten in der Branche gemeldet. Ghosting, rüde Umgangsformen, fadenscheinig begründete Rausschmisse… Fälle, die nicht weiterverfolgt und angezeigt werden können, weil die Betroffenen aus nachvollziehbaren Gründen – Stichwort „Blacklisting“ – Angst haben, sich offen zu Wort zu melden. In der Krise wittern die Reaktionäre, die zu den guten alten Zeiten zurückwollen, als Redaktion, Regie und Produktion einen Film unter sich ausgemacht haben, wieder Morgenluft.
Volker A. Zahn, the-spot-mediafilm.com, 30.04.2026 (online)

