Zitiert: Normale Mediennutzung

Was wir für „normal“ halten, ist immer auch eine Frage der zeitlichen Sozialisation. Meine zwölfjährige Tochter hat mich am Wochenende in der U-Bahn darauf aufmerksam gemacht. Guck mal, sagte ich, fast alle hier im Waggon schauen auf ihre Handys. Schon bisschen robotermäßig, oder? Das Wort „robotermäßig“ war mein Versuch, einigermaßen jung zu klingen, ohne die Sprache von Jugendlichen zu imitieren, denn das wäre, wie wir Älteren sagen, ziemlich cringe. Aber meine Tochter war null beeindruckt. Sie wisse, dass ich das mit den Handys zu viel finde, sagte sie. Aber ich sei ja auch ohne aufgewachsen. Ihre Generation kenne es nicht anders. Das müsse ich doch verstehen.

Sie hat ein gutes Argument. Niemand kann die Welt neutral wahrnehmen. Alle bringen immer, ob wissentlich oder nicht, ihre Vorerfahrungen mit. Wenn Ältere die Mediennutzung Jüngerer beurteilen, spielt daher auch ihre eigene Mediensozialisation eine Rolle. Die Mediennutzung heutiger Teenager steht aber auf einem anderen Fundament als die all jener, die heute Eltern oder Politiker sind.

Klaus Raab, MDR Altpapier, 09.03.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)