Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Bei einer Konferenz in Poznań klagte sie über den ökonomischen Wahnsinn der Romanproduktion. Kein Verlag sei bereit, sie für die sieben Jahre Arbeit an ihrem im Herbst erscheinenden neuen Buch angemessen zu bezahlen, niemand würde es kaufen, wäre sein Preis realistisch. Mehr als eine „Bergarbeiterrente“ sei für sie nicht drin. Deshalb greife auch sie zur KI und sei begeistert darüber, „wie fantastisch sie den Horizont erweitert und kreatives Denken vertieft“. Gerne werfe sie der KI eine Idee hin und frage: „Schatz, wie könnten wir das schön entwickeln?“ Zwar breche es ihr das Herz, dass eine „Ära unwiederbringlich verschwindet“. So großartig wie Balzac und Nabokov werde die KI nie schreiben. Aber für die ökonomisch vernünftige Produktion literarischer Texte sei sie eben enorm hilfreich.
Jörg Häntzschel, sueddeutsche.de, 20.05.2026 (online)

