Zitiert: Personalpolitik der Alliierten und der bundesdeutsche Rundfunk

Die Personalpolitik der Alliierten wirkte noch eine Weile nach. Radio begleitete eine gewisse Befreiung von den Schlacken des Nationalsozialismus. Ernst Schnabel, Eberhard Beckmann, Alfred Andersch, das waren nur einige der Redakteure und Intendanten, die einen Rundfunk begründeten, der, bei allen Unterschieden, das „andere Deutschland“ repräsentierte und die Westbindung kulturell komplementierte. Sie forderten Autoren wie Böll, Wolfgang Koeppen, Günter Grass. Das ganze Programm hatte eine leicht linksliberale Schlagseite und deshalb den konservativen Politikern ewig ein Dorn im Ohr.

Das verstärkte sich, als in den sechziger Jahren mit dem Wellenwohlstand „Dritte Programme“ etabliert wurden, literarisch und journalistisch anspruchsvoll, am Ende gar ein Funkkolleg mit hunderttausenden von Studenten in den Fächern Medizin – Medizin!! –, Wirtschaft, Gesundheit, Kunst usw. 30 Fächer, mit Prüfungen und Übungsheften. Das Radio als Volkshochschule, zur Dämpfung der Bildungsmängel, das war mehr als der Programmauftrag forderte. Das komplementierte den Aufstieg der Sozialdemokratie zur Volkspartei. Und schon bald wurde der Rotfunk-Vorwurf zum anschwellenden Chor konservativer Politiker.

„Volksverbundene“ Ministerpräsidenten verteidigten die populäre „Kultur“ gegen die angeblich „herrschenden Kultureliten“, oder, da wird es deutlich, die „Sympathisanten der alten Arbeiterbewegung“, kritisierten ein Kulturprogramm, das „für große Teile des Publikums nicht lebens(!)notwendig sei; Menschen, die „in ihrer eindeutigen Mehrheit nicht durch formal höhere Schulbildung geprägt“ seien, einen „fremden Begriff von Kultur“. Der Populismus kam nicht erst mit Gauland zu uns.

1986 verdichtete sich die Konstellation zum kulturellen Urknall. „Die Sache ist größer als Gorleben“, sagte der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht, als die Politik privates Fernsehen und Radio möglich machte.  Der Fortschritt der UKW-Technik, der Druck der Politik und der Ruf der Wohlstandswirtschaft nach Werbeflächen beendete die Zeit des Integrationsradios. Unheil ist ein Stoff aus vielen Komponenten.  Und die zweite Lehre: Wenn du deine Gegner nicht mit Argumenten besiegen kannst, grab ihnen das Wasser ab. Oder die Frequenzen.

Mathias Greffrath, Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 12.04.2026 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)