Die Podcast-Welle zersetzt den pluralistischen Korporatismus: die gesicherte Ordnung von Spezialinteressen, die von Fachredakteuren kenntnisreich bedient wurden. Das Programm mit seiner Ordnung von festen Sendeplätze wurde zur Prärie, auf der man nun konkurrieren musste, auffallen, wiederum: Quote machen.
Und zwar auf den Plattformen. Nicht die Podcastisierung ist die eigentliche Revolution. Sondern die Plattformisierung. Um Hörer und Hörerinnen zu erreichen, arbeiten immer mehr Redakteure in der Distribution. Müssen ihre Qualitätsprodukte auf den quasimonopolistischen Plattformen von Tiktok, Instagram und Youtube bewerben, wo sie sich dann – das Problem ist einstweilen nicht zu beheben – wo sie sich dann gegen deren Empfehlungsalgorithmen behaupten müssen.
Die Periode, in der Radiomacherinnen verklärt von akustischer Heimat redeten, oder vom Lagerfeuer, um das sich viele verschiedene sammeln konnten, oder wie immer diese schönen Metaphern waren, diese Periode ist also unwiderruflich zu Ende. Und damit auch das Reden von der gemeinschaftsbildenden Funktion des Programms. Diese Vorstellungen waren ja schon immer auch ein Stück Selbstbetrug, außer beim Fußball und ein paar Jahre lang beim Tatort; selbst der European Song Contest wird bei uns nur von 5 Prozent geschaut.
Mathias Greffrath, Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 12.04.2026 (online)

