Zitiert: Presse- und Meinungsfreiheit in Gefahr?

Heute sind nicht mehr die Journalistinnen und Journalisten die Gatekeeper der Nachrichtenwelt; sie sind auch nicht mehr meinungsführend, selbst wenn die Mainstreammedien sich selbst als Meinungsführer präsentieren. Wenn er unterginge, würden „die Menschen den Journalismus nicht vermissen“, sagte kürzlich die Chefredakteurin der dänischen Newszeitung Zetland, Lea Korsgaard. Das mag übertrieben sein, zumal es „die“ Menschen als homogener Block in den komplex strukturierten Gesellschaften nicht gibt. Doch richtig ist, dass die meinungsführenden Medien die Breite der Gesellschaft nicht mehr erreichen; sie werden von einem wachsenden Anteil der Bevölkerung als realitätsfremd und elitär empfunden. […]

Wir sehen daran: Die von der Pressefreiheit repräsentierte Power, die der informationellen Selbstaufklärung der Gesellschaft dienen soll, verblasst mehr und mehr. Im Gegenzug gewinnt die Macht der öffentlichen Meinungsmacher an Stärke […]

Es ist also nicht die Pressefreiheit, die bedroht erscheint. Einem Erosionsprozess ausgesetzt ist vielmehr das Wissen darüber, wie demokratische Meinungsbildungsprozesse zustande kommen. Ich sehe eine wachsende Inkompetenz, die dem suggestiv inszenierten Konsumismus wie auch der populistisch verpackten Propaganda zu öffentlicher Wirkung verhilft. […]

Am Horizont des Internethimmels ist ein Hoffnungsschimmer zu erkennen, quasi eine zarte Morgenröte der regulativen Vernunft. Diese zeigt sich in dem in Brüssel beschlossenen Digital Services Act (DSA), der seit 2024 in allen Mitgliedstaaten für alle Online-Dienste rechtsverbindlich ist.

Michael Haller, philomag.de, 01.06.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)