Der Deutschlandfunk stellt sein Programm radikal um. Die Hörer werden ihr blaues Wunder erleben. Das Risiko, dass der Sender seinen einzigartigen Zuschnitt und sein Publikum verliert, ist nicht eben klein. [..]
Die Expertise der Fachredaktionen, die die Qualität des Deutschlandfunks ausmacht, fällt nicht unter den Tisch, wird aber auf andere Weise abgerufen; ihre Beiträge finden sich da und dort im Informationsfluss. Das wird ein Hauen und Stechen in den Redaktionen geben. Die Autonomie der Experten, die eigene Formate gestalten, verschwindet, sie müssen sich ein- und unterordnen. Das nährt die Befürchtung, es könnte nun das, was bislang selbstverständlich war, unter Umständen wegfallen.
Mit seinem radikalen Kurswechsel folgt der Deutschlandfunk als letztes der bedeutenden öffentlich-rechtlichen Radioprogramme dem Trend von „Durchhörbarkeit“ und Podcastisierung. Das muss nicht bedeuten, dass der Sender an Qualität verliert; sein Alleinstellungsmerkmal, das darin besteht, den Auftrag der „Grundversorgung“ der Bürger mit Information, Bildung und Kultur (und ein wenig Unterhaltung) ernst zu nehmen wie kaum jemand anderes im aufgeblasenen öffentlich-rechtlichen System, könnte allerdings ins Wanken geraten. […]
Der neue Medienstaatsvertrag, sagte der Intendant Raue gerade im eigenen Sender, verpflichte die öffentlich-rechtlichen Sender, sich auf neue Hör- und Sehgewohnheiten einzustellen, die Digitalisierung voranzustellen und sich verstärkt dem Dialog mit dem Publikum zu widmen. Das stimmt, heißt aber nicht, dass sich Senderchefs beim Totalumbau des Programms auf die Politik herausreden können.
Michael Hanfeld, faz.net, 24.05.2026 (online)

