Berlin. Radio für alle: Deutschlands Weg ins Zeitalter der elektronischen Massenmedien begann 1923 in Berlin. Jahresgebühr: 350 Milliarden Mark. […]
1925 gab es im Sendegebiet der „Funk-Stunde Berlin“, wie der Sender inzwischen hieß, knapp 444.000 angemeldete Empfänger. Und die nicht angemeldeten, die „Zaungäste“ des Rundfunkwesens, wie sie damals hießen?
Auf Schwarzhören waren die Sender von Anfang an eingestellt. Die Post und
Polizeibeamten, die gemeinsam zu Kontrollgängen loszogen, hatten damals noch leichtes Spiel, als aus Vorderhäusern oder quer über die Hinterhöfe die Antennendrähte in die Wohnungsfenster gespannt waren und die Briefträger nach ihrer täglichen Runde nur die nichtgemeldeten Adressen notieren mussten. Empfindliche Geldstrafen drohten, laut neuem Gesetz sogar bis zu sechs Monate Moabit oder Tegel. Ab und zu versuchte es die Post mit einer Amnestie, verzichtete auf Strafverfolgung bei denjenigen, die sich freiwillig meldeten.
Uli Kulke, Berliner Morgenpost, 09.08.2026 (online)

