Vielleicht ist es ungerecht, von einer Satiresendung zu erwarten, dass sie etwas erreichen will. Bei anderen Fernsehsendungen genügt es ja auch, dass sie existieren und Menschen zum Einschalten bringen. Die Quoten von „Extra 3“ sind gut, der Wechsel von der Nische des dritten Programms ins Erste nach den „Tagesthemen“ vor zwölf Jahren hat funktioniert, die Sendung erreicht also das Wichtigste: ein Publikum. Aber die Frage, was die Rolle von „Extra 3“ in einer sich gerade radikal ändernden politischen Landschaft ist, bleibt bei diesem Jubiläum merkwürdig wenig gestellt, geschweige denn beantwortet. […]
Den Gedanken, dass so eine Sendung eine wichtige Aufgabe hat: Machtkontrolle durch Machtkritik, formulierte Kühnert als Einziger so deutlich. Er fragte immer wieder, ob man eigentlich die Richtigen ins Visier nehme, die wirklich Mächtigen und Gefährlichen, also im Zweifel vielleicht nicht den ohnehin unbeliebten Bundeskanzler und Vorsitzenden einer schrumpfenden Partei. […]
Will man wirklich für einen kleinen Gag in einer lustigen Sendung in Kauf nehmen, dass ein verrückter amerikanischer Präsident vielleicht mal eben Bonus-Rachestrafzölle gegen ein ganzes Land verhängt? Kühnert hingegen wies darauf hin, dass es doch gerade dann, wenn es gefährlich wird, wichtig sein könnte, sich nicht einschüchtern zu lassen.
Stefan Niggemeier, sueddeutsche.de, 17.09.2026 (online)

