Drängender als die Verwendung von Daten für das Training von Modellen ist die Frage, wie Inhalte aus der aktuellen Berichterstattung für aktuelle Antworten verwendet werden dürfen. Dabei hilft ein Schritt zurück: unsere exklusive Berichterstattung wurde immer schon von anderen Medien rezipiert, abgeschrieben, oder auch als Basis für eine eigene, weitergehende Recherche verwendet. Fakten landen schnell in der Wikipedia. Das heißt, man fand einen wesentlichen Teil dessen, was wir schreiben, auch schon bisher auf anderen Plattformen. Das ist also nicht neu. Es gewinnt einfach an Geschwindigkeit durch KI. Denn es ist anspruchsvoll, diese Inhalte wirklich zu schützen, wenn unsere Recherchen auf freizugänglichen anderen deutschen Nachrichtenseiten zu finden sind. Einmal dort publiziert, sind sie im öffentlichen Raum, werden sie von KI-Crawlern gefunden – im Worst Case werden sie einfach nicht mehr auf uns referenziert.
Ich glaube, dass die entscheidende Frage für Medien deshalb ist: Wie findet Sichtbarkeit und Referenzierung in Zukunft in einer neuen Plattformlandschaft statt, die viel weniger über Links funktioniert. Diese Sichtbarkeit ist wichtiger als das reine Unterbinden einer Verwendung der Inhalte.
Christoph Zimmer, Medienwirtschaft 03/2025, (online, Paid)

