Reichlich spät wird erkannt, dass man die Dinge nicht einfach so laufen lassen kann in einer Welt, die den Kommerz über das Wohlbefinden der Menschen stellt. Besonders die unreifen Hirne kleiner Kinder müssen geschützt, Erfahrungen im Räumlichen mit allen Sinnen ermöglicht werden. Das geht weit über eine Verbotsdebatte zur Social-Media Nutzung hinaus, die zudem missbraucht werden kann, um Alters- und damit Kommunikationskontrolle im Internet zu forcieren. Außerdem kann die zwar richtige Erkenntnis, dass Medien-bildung in der Familie beginnt, weiterhin dazu verleiten, die enormen Gewinne bei der IT-Branche zu belassen, während Individuen und Krankenkassen die Schäden begrenzen und die Folgen finanzieren sollen. Hier ist eine komplexere Herangehensweise vonnöten, als es die Politik und ihre Kommissionen derzeit planen.
Zu erweitern wäre die Debatte um Medienschutz auf die Bildschirmisierung von Kindheit, weil auch das frühe Fernsehen verheerende Auswirkungen auf die Hirnentwicklung der Kinder hat. Immerhin wurde erkannt, dass Algorithmen keine Naturgewalt sind und das Internet anders strukturiert werden könnte. […]
Ein anderes Internet gab es und ist möglich. Ein Studium und Schulfach Medienbildung gehört ebenso in die Handlungspalette wie eine Info-Kampagne für Eltern und Pädagogen, die sich vom Digitalisierungsmantra des gefährlichen „so früh wie möglich“ verabschiedet und hinführt zu iner Orientierung der frühkindlichen wie schulischen Bildung an der Sinnes- und Wahrnehmungsentwicklung der Kinder, wie sie Jean Piaget beschrieb und von der neurologischen Forschung bestätigt wurde.
Sabine Schiffer, medienverantwortung.de, 18.02.2026 (online)

