Das Kulturradio von RSI bietet weiterhin ein wortlastiges Vollprogramm. Rete Due erreicht damit konstant eine breitere Nutzung als SRF 2 Kultur und auch Espace 2, die beide auf Durchhörbarkeit getrimmt wurden. […]
Offenbar hat die Umgestaltung des Programms hin zu einer besseren Durchhörbarkeit einen Teil des Publikums vergrault – und keine neuen Hörer dazugewonnen. Längere Sendungen wie «Kontext», «52 beste Bücher», «Passage» oder «Wissenschaftsmagazin» wurden gestrichen. Generell gibt es nur noch kürzere Wortbeiträge. Das Publikum nutze heute das Radio vor allem als Begleitmedium. Längere Wortsendungen empfände es deshalb als Störung, begründeten die Verantwortlichen den Umbau des Kultursenders.
Dass die Ausrichtung des Programms an den vermeintlichen Publikumsbedürfnissen zu weiteren Hörerverlusten führte, überraschte Kritiker nicht. Sie sahen darin die Gleichung bestätigt: weniger Profil gleich weniger Publikum. Wenn das zutrifft, dann müsste auch das Gegenteil gelten, wonach ein profilierteres Angebot mehr Hörer erreicht.
Einen Hinweis darauf, dass das zutreffen könnte, liefert Rete Due. Das zweite Radioprogramm von RSI erreichte in seinem Sendegebiet in den letzten Jahren konstant eine breitere Nutzung als SRF 2 Kultur und Espace 2.
Nick Lüthi, persoenlich.com, 30.04.2026 (online)

