Die Bestellungen sind sehr variabel, sie beinhalten Bücher aus dem Kulturbereich, der deutschen Geschichte, dem Sozialismus, dem Handwerk. Das ist eher nicht gehobene Literatur, sondern betrifft Werke, die ein Volk in seinem politischen Handeln sowie kulturellen Bewusstsein darstellen. Es handelt sich meist um kleinere, einfache Formate und Broschüren mit einem eher niedrigen Verkaufspreis. Für den Antiquar ist es erfreulich, für diese thematisch unterschiedlichen und leider wenig gesuchten Bücher einen Käufer zu haben. […]
Die eigentliche Frage ist: Welche Absicht steckt dahinter, wenn ein Konzern sich die Mühe macht, Millionen Bücher anzukaufen, zu scannen und anschließend zu vernichten? […]
Ich sehe in dieser Aktion, wie in vielen anderen Datensammlungen, die Gefahr, dass irgendwann ein Konzern oder eine Regierung einer schon stark digital gesteuerten Bevölkerung die geistigen Aktivitäten im Bereich Literatur und Zeitgeschichte vorgibt und damit die kulturelle und emotionale Entwicklung beeinflusst – bis hin zur monopolisierten Meinungssteuerung.
Rolf Brehmer, sueddeutsche.de, 02.08.2026 (online)

