Bis zu 18 Milliarden US-Dollar will Meta zahlen, um einen großen Teil der US-Verfahren über mögliche Schäden von Instagram und Facebook für Kinder und Jugendliche beizulegen. Das klingt erstmal nach einer gewaltigen Niederlage. Die Süddeutsche Zeitung sprach unter Berufung auf die New York Times sogar von einer „dramatischen Kapitulation.“ Erstmals müsse sich Meta einer von außen auferlegten Regulierung seines Produkts beugen. Das ist eine plausible Lesart. Aber vielleicht nicht die einzige[…]
Im laufenden Prozess standen zeitweilig Forderungen von bis zu 200 Milliarden US-Dollar im Raum. Nun zahlt Meta 12,7 Milliarden garantiert über zehn Jahre, weitere Milliarden können hinzukommen.
Aber: Dafür gibt es kein Schuldeingeständnis und vor allem kein Grundsatzurteil darüber, ob zentrale Elemente des Geschäftsmodells rechtswidrig sind. […]
Ein erheblicher Teil der zusätzlichen Zahlungen wird erst fällig, wenn Wettbewerber wie TikTok oder YouTube vergleichbare Regeln akzeptieren. Meta fordert sie bereits öffentlich dazu auf. Aus der Regulierung von Meta könnte so ein Industriestandard werden. Für Meta als Marktführer muss das keineswegs schlecht sein. […]
Wer die Kosten neuer Standards problemlos tragen kann und sogar Einfluss darauf hat, wie diese Standards aussehen, kann daraus einen ziemlich schönen Burggraben bauen. Die „dramatische Kapitulation“ wäre dann eher ein ziemlich smarter Rückzug.
Nicolas Paalzow, dwdl.de, 04.09.2026 (online)

