Zitiert: Über den unterschätzten Wert von DEFA-Klassikern

Während Netflix und Disney+ Milliarden in austauschbare Hollywood-Blockbuster stecken, schlummert der wahre Quoten-Garant in den Archiven von Babelsberg.

Zu den Feiertagen zeigt sich verlässlich: Alte DEFA-Klassiker und DDR-Märchenfilme sind im linearen Fernsehen und in den Mediatheken auch heute noch gefragt. Warum die Streaming-Infrastruktur die Nostalgie-Welle braucht, um ältere Zielgruppen zu digitalisieren – und warum die „Legende von Paul und Paula“ auch neben Netflix-Hochglanz-Hits durchaus ihre Daseinsberechtigung hat.

Es ist ein Phänomen, das die Programmstrategen in den Chefetagen der großen Streaming-Plattformen regelmäßig ins Grübeln bringt. Jedes Jahr zu Ostern, Pfingsten oder Weihnachten werden Filme entdeckt, die älter als ein halbes Jahrhundert sind. Wenn der MDR oder der RBB Klassiker wie „Spur der Steine“, „Die Legende von Paul und Paula“ oder andere DEFA-Märchenfilme ins Programm nehmen, erzielen sie Marktanteile, die man durchaus als ungewöhnlich bezeichnen kann.

In einer globalisierten Streaming-Welt, in der Content immer austauschbarer wird, hat sich der „Ost-Content“ zu einer der wertvollsten Nischen im deutschsprachigen Raum entwickelt. Die emotionale Bindung und der Nostalgie-Faktor in den ostdeutschen Bundesländern – und weit darüber hinaus – sind eine mediale Bank. […]

Ältere, traditionell lineare Zuschauer wandern nur zögerlich in die digitale Streaming-Welt ab.

Hier fungieren die DEFA-Archive als digitaler Brückenbauer. Indem man die restaurierten Filmperlen exklusiv und prominent in den Mediatheken platziert, schafft man einen hochwirksamen Anreiz für die Generation 60+, den roten Knopf auf der Fernbedienung (HbbTV) zu drücken oder die App zu installieren.

Manuel Weis, digitalfernsehen.de, 23.05.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)