Für Aufregung sorgt, dass auch der Kindersender KiKa ab 2033 nur noch per Online-Stream verfügbar sein soll. Damit folgt Deutschland dem längst etablierten Trend, Kinder- und Jugendsender ausschließlich online zur Verfügung zu stellen, in der Hoffnung, dass dies ohne nennenswerte Einbußen bei den Einschaltquoten geschieht. Das junge Publikum konsumiere angeblich überwiegend im Internet Medien. Der Schein trügt jedoch: Hinter solchen „Modernisierungsschritten“ verbergen sich Leistungseinbußen, was sich deutlich in den Niederlanden zeigt. Mit der Verschiebung des Kinder-/Jugendfernsehens in den Onlinebereich ging ein Abbau von ca. 80 Vollzeitstellen einher. Dabei hätte von den Erfahrungen der britischen BBC gelernt werden können: Sie nahm bereits vor rund zehn Jahren den Unterhaltungssender BBC Three aus dem linearen Programm, in der Hoffnung, die junge Zielgruppe online effektiver und zugleich kostengünstiger zu erreichen. Doch die Maßnahme verfehlte das erhoffte Ergebnis, wie eine Untersuchung von Prof. Dr. Neil Thurman aus dem Jahr 2020 zeigt, denn nach der Umstellung war in erster Linie ein Rückgang des jungen und nicht des älteren Publikums zu verzeichnen (vgl. Thurman 2020, 299f.). Die BBC reagierte darauf und nahm den Sender ab Februar 2022 wieder halbtags ins lineare Programm auf. Die Kosten-Nutzen-Rechnung des Senders fiel nun deutlich positiver aus.
Matthias Künzler, Karl Larsson: (Un-)Schöne neue Welt? Auswirkungen der Kürzungen finanzieller Mittel beim öffentlichen Rundfunk. In: Sparen in der Medienwelt – Was auf dem Spiel steht. (ORF-TEXTE 30: Weggekürzt, S. 41 online)

