Zitiert: Verstehen nicht mit Legitimieren gleichsetzen

Wenn wir mal aufhören würden, Verstehen mit Legitimieren gleichzusetzen, dann könnten wir über die Probleme viel sachlicher reden. Nur weil man versucht, die Beweggründe von AfD-Wählern zu verstehen, heißt es ja nicht, dass man irgendetwas entschuldigen oder verharmlosen will. Selbstverständlich gibt es rechtsradikale Gesinnung in der AfD und in ihrer Wählerschaft. Aber wenn man daraus ableitet, dass alle AfD-Wähler einfach Neonazis sind, dann ignoriert man die anderen Gründe, die zum Wahlverhalten führen. Das ist – neben sozioökonomischen Problemen und dem schwindenden Gerechtigkeitsgefühl – auch die manifeste Krise von männlichem Rollenverhalten, mit der wir es zu tun haben. Und wenn wir diese Probleme ignorieren, werden wir auch in Zukunft keine Politik hinkriegen, die das Land wieder mehr zusammenführt.

Juli Zeh, sueddeutsche.de, 25.06.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)