Die Hausbesuche haben als Teil des Wahlkampfs jedenfalls an Glaubwürdigkeit verloren. Man weiß inzwischen, dass nach der Wahl keiner mehr vorbeischaut. Diese Kontakte müssten aber politischer Alltag sein. Wir wären in einer besseren Lage, wenn manche Politiker nicht nur aus der Vogelperspektive auf das Wahlvolk blicken würden. Für die meisten Medien gilt das auch. Es ist aufwendig, kostet Zeit und Geld, sich auf die Leute und ihre Probleme einzulassen. Reine Klicktexte sind schneller zusammengebaut. Aber wenn wir es uns nicht mehr leisten, aufmerksam zu sein, entsteht eine Lücke. Und diese Lücke nutzen bestimmte politische Gruppierungen für sich aus. Die sind aktiv und kommunizieren, ob im Kirchenchor, im Fußballverein oder bei der Jugendarbeit. Die demokratischen Parteien und viele Medien haben da den Einstieg verpasst. Vor Ort sein, den Leuten zuhören, sich für die wirklichen Probleme interessieren, das haben an vielen Stellen andere übernommen. Ein wirkliches Problem.
Hasko Weber, berliner-zeitung.de, 18.04.2026 (online)

