Zitiert: Warum ARD und ZDF einen gesetzlichen Auftrag nicht so einfach erfüllen können

Der gesetzliche Auftrag ist in der Theorie unmissverständlich: ARD und ZDF sind ein Rundfunk für die gesamte Gesellschaft. Sie müssen ein Angebot für alle Bürger bereitstellen, unabhängig von deren politischer Gesinnung. Folgt man dieser Prämisse konsequent, müsste es also auch das Ziel sein, Programme für jene Community auf X zu machen, die sich vom System abgewendet hat.

Der logische Bruch in der Praxis: Genau an dieser Stelle kollidiert die Theorie schmerzhaft mit der Realität. Denn wie baut man eine Brücke zu einer Zielgruppe, deren digitaler Treibstoff aus der fundamentalen Ablehnung eben jener Brücke besteht? Eine Community, die sich durch Ragebait definiert, lässt sich nicht durch lösungsorientierte oder ausgewogene Formate abholen.

Gleichzeitig gilt eine unumstößliche Grenze: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk darf unter keinen Umständen Zugeständnisse an Narrative machen, die den demokratischen Diskurs zersetzen oder verzerren, nur um einer lauten Minderheit im Netz zu gefallen. Sie dürfen nicht demokratiegefährdend senden. ARD und ZDF stehen somit vor einer Herkulesaufgabe: Es muss den Spagat schaffen, die sachliche Kritik aus der Bevölkerung ernst zu nehmen und handwerkliche Fehler transparent zu korrigieren, während es gleichzeitig die ideologische Empörungswelle auf Plattformen wie X unaufgeregt an sich abprallen lassen muss. Ein dauerhafter Balanceakt auf Messers Schneide, für den es kein einfaches Rezept gibt.

Manuel Weis, digitalfernsehen.de, 17.06.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)