Der NDR löst das 2022 nach der Corona-Pandemie geschaffene Ressort „Wissen“ der „Tagesschau“ im Zuge von Sparmaßnahmen auf. […] Künftig sollen Wissens- und Wissenschaftsthemen vom Kompetenzzentrum Wissen von BR, SWR und WDR zugeliefert werden.
Das wirft doch einige Fragen auf. Zugeliefert wird ja vermutlich nur dann, wenn die Nachrichtenredaktion ein Wissenschaftsthema für nachrichtenrelevant hält und bestellt. Doch blickt man auf die Berichterstattung zur Klimakrise, zum KI-Fortschritt oder zu anderen Themen, bei denen die Wissenschaft gerade an der Zukunft der Menschheit arbeitet oder bei denen wissenschaftlicher Input Not tut, gelingt das schon jetzt nicht ausreichend. Trotz festem Team, das diese Themen regelmäßig im Tagesgeschäft bearbeitet hat. […]
Wenn dieses Team nun auch noch als eingespielte Einheit wegfällt, dürfte die Berichterstattung aus, über und mit der Wissenschaft noch weiter marginalisiert werden. Schon der damalige WDR-Intendant Tom Buhrow irritierte 2015 mit der Aussage, Wissenschaftsjournalismus sei etwas für die Nische. Wer so denkt, verkennt seine entscheidende Rolle für die Demokratie. […]
Denn Wissenschaftsjournalismus berichtet nicht nur über neue Studien und Innovationen, die aus dem Wissenschaftsbetrieb herauskommen. Er trägt auch wissenschaftliche Stimmen in Debatten, die ihren Ursprung in einem anderen gesellschaftlichen System haben. […]
Die ARD muss sparen, das wurde den Anstalten von außen auferlegt. Die Fragen nach der zukünftigen Finanzierung ist auch angesichts der Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht zum Rundfunkbeitrag in dieser Woche mehr als offen.
Eins ist aber völlig klar: Die bisherigen Entscheidungen über die Einschnitte im Angebot sind nicht dazu geeignet, das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu stärken.
Jana Ballweber, turi2.de. 24.06.2026 (online)

