Ich glaube auch, dass ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat, insbesondere, was die Sichtweise auf Regie und Buch anbelangt. Bis 2018 war es Normalität, dass man sein Drehbuch quasi in der Plastiktüte beim Sender und der Produktion abgegeben hat und irgendwann einen fertigen Film zu sehen bekam. Dass der Autor, die Autorin das Buch bis zum Ende verantwortet, war eine Regel, die wir erfunden haben, und die bei den Produzent:innen erstmal Schnappatmung ausgelöst hat. Bis dahin wurden wir wie Kinder behandelt, es konnte vorkommen, dass man auf einer Filmparty erfahren hat, dass eine Kollegin oder ein Kollege dein Buch übernommen hat. Das heißt nicht, dass keine Bücher mehr an Kolleg:innen abgegeben werden. Auch das ist eine Form von Verantwortung, wenn die eigene Kapazität erschöpft ist. Aber es muss im Einvernehmen mit der Erstautor:in geschehen. Wir kannibalisieren uns nicht mehr gegenseitig und treten den Produzent:innen mit einem anderen Selbstbewusstsein gegenüber.
Kristin Derfler, the-spot-mediafilm.com, 30.04.2026 (online)

