Das Radio als Volkshochschule, zur Dämpfung der Bildungsmängel, das war mehr als der Programmauftrag forderte. Das komplementierte den Aufstieg der Sozialdemokratie zur Volkspartei. Und schon bald wurde der Rotfunk-Vorwurf zum anschwellenden Chor konservativer Politiker.
„Volksverbundene“ Ministerpräsidenten verteidigten die populäre „Kultur“ gegen die angeblich „herrschenden Kultureliten“, oder, da wird es deutlich, die „Sympathisanten der alten Arbeiterbewegung“, kritisierten ein Kulturprogramm, das „für große Teile des Publikums nicht lebens(!)notwendig sei; Menschen, die „in ihrer eindeutigen Mehrheit nicht durch formal höhere Schulbildung geprägt“ seien, einen „fremden Begriff von Kultur“. Der Populismus kam nicht erst mit Gauland zu uns.
1986 verdichtete sich die Konstellation zum kulturellen Urknall. „Die Sache ist größer als Gorleben“, sagte der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht, als die Politik privates Fernsehen und Radio möglich machte. Der Fortschritt der UKW-Technik, der Druck der Politik und der Ruf der Wohlstandswirtschaft nach Werbeflächen beendete die Zeit des Integrationsradios. Unheil ist ein Stoff aus vielen Komponenten. Und die zweite Lehre: Wenn du deine Gegner nicht mit Argumenten besiegen kannst, grab ihnen das Wasser ab. Oder die Frequenzen.
Mathias Greffrath, Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 12.04.2026 (online)

