Ich war damals im Maschinenraum dabei, saß in Kommissionen, sprach Empfehlungen aus, rang in Stellungnahmen um Halbsätze. Zugleich habe ich gemerkt, wie sich Politik und Wissenschaft gegenseitig instrumentalisieren, ja manipulieren. Ich habe mitbekommen, wie Fakten als eindeutig dargestellt wurden, die aus wissenschaftlicher Perspektive nicht eindeutig waren, wie politische Entscheidungen regelmäßig an den Nöten und Bedürfnissen der Menschen vorbeigingen. Das hat mich wahnsinnig deprimiert. Irgendwann meinte ich zu einem CDU-Vorstandsmitglied, dass ich mir vorstellen könnte, mich politisch zu engagieren, und der meinte nur: »Wenn du das wirklich willst, musst du kandidieren.« […]
Ganz ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass Politik so anstrengend ist. Einerseits ist man permanent gehetzt, andererseits macht es großen Spaß, Dinge gestalten zu können. […]
Natürlich kann man als Einzelner nur Nuancen verändern, aber auf eine Sache bin ich stolz: Dass Naloxon, ein Gegenmittel gegen synthetische Opioide, jetzt verschreibungsfrei in der Apotheke zu bekommen ist. Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber ich habe hart dafür gekämpft, und es wird Leben retten.
Hendrik Streeck, sueddeutsche.de, 26.02.2026 (online)

