Die ZDF-Sendung „Markus Lanz“ muss man sich als eine Dekadenz-Erscheinung der Demokratie vorstellen. Denn dreimal in der Woche, je 75 Sendeminuten, also insgesamt fast vier kostbare Fernsehstunden lang geschieht hier paradigmatisch genau das, was der Soziologe Harald Welzer jetzt folgendermaßen beschreibt.
Ablenkung und Verdummung des Publikums, statt politischer Aufklärung, die (Selbst-)Aufgabe des politischen Journalismus uns seine Ersetzung durch politische Klatschberichte über die Ränkespiele der Berliner Polit-Szene, der die berichtenden politischen Journalisten und Journalistinnen übrigens intim angehören.
Anstatt, so Welzer jetzt „über Gestaltungsprobleme und Notwendigkeiten bei der Aufrechterhaltung des demokratischen Systems“ zu berichten, findet man es „unfassbar interessant mit welchem Winkelzug Markus Söder Lars Klingbeil unter Druck gesetzt hat oder in welcher Form von interner Kommunikation irgendwer irgendwen angebrüllt hat – dabei ist das alles de facto scheißegal, weil es nichts damit zu tun hat, wie die Gesellschaft weiterentwickelt wird“.
Politischer Journalismus im eigentlichen Wortsinn findet nicht mehr statt.
Rüdiger Suchsland, Telepolis, 04.05.2026 (online)

