Journalisten besitzen zwei Möglichkeiten, auf den Vertrauensverlust ihres Publikums zu reagieren. Sie können das Misstrauen zum Defekt des Publikums erklären. Sie könnten sich aber auch fragen – und das ist selbst in der Politik lange überfällig –, ob es womöglich auch etwas mit ihnen selbst zu tun hat. Das tut natürlich weh. Und scheint in der Fehlerkultur-Reihenfolge leider etwas aus der Mode gekommen.
Gerade der MDR könnte dabei eine interessante Rolle spielen. Denn ein ostdeutscher Sender müsste wie kaum ein anderer wissen, dass sich die Lebenswirklichkeit zwischen Salzwedel, Zeitz und Görlitz nicht vollständig aus Berliner Debatten ableiten lässt. Vielleicht wird der Mitteldeutsche Rundfunk künftig wieder stärker Regionalanstalt sein müssen und etwas weniger Außenstelle einer bundesdeutschen Debattenordnung.
Judka Strittmatter, berliner-zeitung.de, 09.09.2026 (online)

